Lagebericht aus Kissi

Hallo, liebe fleissige Leser und Kommentierer :-) Also, es ist mir gelungen, das einzige Internetcafe in Kissi ausfindig zu machen, und es hat nur 23 Minuten gedauert, diese Seite zu oeffnen ;-) Es gibt so viel zu erzaehlen, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll. Nach einer abenteuerlichen Fahrt sind wir am Freitag abend in Kissi angekommen, Djarbah, ich und zwei Freunde, Lalas und Mandela, die uns bei den Bauarbeiten an der Schule helfen werden. Ich habe gleich mein Zimmer bezogen, wir leben bei einer Familie aus dem Dorf. Wie viele Personen genau zur Familie gehoeren, habe ich noch nicht herausgefunden, aber mindestens 8 habe ich schon gezaehlt... Wir wohnen in einer Art kleinem Bauernhof, die Lehmwaende sind professionell verputzt, also ist es doch nicht ganz die Art von Lehmhuette, die man so allgemein vor Augen hat. Jede Familie hier haelt sich Ziegen und Huehner, manche auch Schafe, und oft gehoert auch ein Hund dazu, aber auf den Strassen ist es manchmal schwer zu sagen, welche Tiere ueberhaupt jemandem gehoeren. Die Toilette ist ein Plumpsklo am Ende des Gartens, und nachts ist es wirklich gruselig. Es gibt zwar Licht, aber das hat 1. einen Wackelkontakt und 2. faellt haeufig der Strom aus. Andererseits ist es wie mit der Dusche: ohne Licht sieht man auch nicht, was sich so alles da herumtreibt, und das ist manchmal besser als die Wahrheit! Auch in meinem Zimmer habe ich Licht, und die Muecken werden ganz gut durch Netze und Gittern abgehalten, die hier an allen Fenstern und Tueren ueblich sind. Mein Moskitonetz habe ich trotzdem aufgehaengt - fast romantisch. Am Samstag haben wir die Arbeit an der Computerschule begonnen, das Gebaeude steht schon, das Dach ist auch schon drauf, aber es muss noch renoviert werden. Wir haben Schimmel von der Decke abgekratzt und dann noch die Luecken zwischen Wand und Decke verspachtelt, das klingt nicht nach viel Arbeit - ist es eigentlich auch nicht, aber bei den Temperaturen und mit der Reise noch in den Knochen wird man ganz schoen schnell erschoepft. Da tut eine kalte Eimerdusche mit Regenwasser im Anschluss sehr gut! Viele der Kinder habe ich schon kennen gelernt, aber es ist unmoeglich, sie sich alle zu merken. Kissi hat etwa 5000 Einwohner, und ca. 40% der Einwohner sind unter 16 Jahre alt. Zum Programm des Youth Clubs, dessen Betreuung zu meinen Aufgaben gehoert, haben sich ueber hundert Kinder angemeldet, aber es hat sich niemand die Muehe gemacht, die Namen zu zaehlen. Obwohl das Programm erst morgen startet, sind jetzt schon immer viele Kinder an der Schule und wir spielen in den Pausen mit ihnen Fussball und singen. Gestern haben Michael, ein anderer Volunteer aus Dresden, und ich die Arbeitszeit versehentlich verpasst...es war Sonntag und ich aeusserte den Wunsch, einen Gottesdienst zu besuchen. Obwohl er nicht glaeubig ist, wollte Michael mitkommen und Stella, die wir auf der Strasse kennen lernten, nahm uns mit in ihre Kirche, eine Methodistenkirche. Das war wirklich ein Erlebnis! Zu Beginn war es ganz aehnlich wie in einem deutschen Gottesdienst, wir haben gesungen, gebetet, einen Psalm gesprochen und eine Predigt gehoert. Ein Mann an einem Keyboard mit Orgelsound und ein Junge an Trommeln machten Musik, und zwischendurch wurde auch schon viel getanzt und es ging polonaise-artig durch die Kirche. Dann wurden wir auch noch offiziell als Besucher begruesst und sollten uns kurz vor allen vorstellen, bekamen auch viel Applaus :-) Danach dachte ich, der Gottesdienst sei langsam am Ende, aber ein anderer Prediger trat auf, der mehr schrie als predigte, und die Leute durch Handauflegen in Trance und Ohnmacht fallen liess. Es wurde sehr laut in der Kirche, immer wieder wurde spontan gesungen, die Menschen schrien "Jesus! Jesus!" und man musste die Ohnmaechtigen auffangen. Nach drei Stunden sind wir dann gegangen, und haben spaeter erfahren, dass der Gottesdienst noch mehr als zwei Stunden so weiter ging. Hui. Als wir dann an der Schule ankamen, machten die anderen gerade die letzten Pinselstriche. Da aber die anderen zwei Volunteers aus Deutschland das ganze Wochenende nicht da waren, sondern einen Ausflug nach Kumasi unternommen hatten, war das nicht schlimm. Als sie gestern zurueckkamen, habe ich festgestellt, dass ich einen von ihnen kenne, Tim war fuenf Jahre in meiner Parallelklasse und hat mich sogar erkannt. Da reist man schon fast 9000km und dann so was! Wir gingen dann zurueck zum Markt ins Zentrum von Kissi. Da werden rund um die Uhr die leckersten Koestlichkeiten angeboten, von warmen Essen bis zu frischen Fruechten, Nuessen und Gemuese ist alles dabei. Wir bekommen bei Djarbah jeden Tag Fruehstueck (pappiges Weissbrot mit Fliegen und Eiern oder Marmelade) und Abendessen (bislang gabs Nudeln oder Reis mit Huehnchen und scharfer Sosse, ich hoffe fuer heute mal auf Fufu oder Banku), und Mittags versorgen wir uns mit Sachen vom Markt. Fuer 20Pesewas, das sind etwa 15Cent, bekommt man gekochte oder gebratene Maiskolben, besonders gut schmecken auch die frischen Ananas und Orangen. Sie werden am Stand in handgerechte Stuecke geschnitten und geschaelt und man kann sie direkt verzehren, wenn man moechte. Heute haben wir nach der Arbeit selber Koksnuesse von einer Palme geschlagen und Lalas hat sie mit einer grossen Machete geschaelt. Wir haben dann den Saft daraus getrunken, pro Nuss waren das gut und gerne 500-700ml, dann hat er sie ganz aufgeschlagen und wir haben das frische Fruchtfleisch gegessen. So was sollte es bei uns auch geben! Sehr lecker. Falls ihr euch fragt, was Fufu und Banku sind: Das sind zwei breiartige Speisen, die aus Suesskartoffeln, Mais und|oder Kochbananen hergestellt werden. Dazu gibt es dann eine scharfe Sosse und entweder Fisch oder Fleisch, und gegessen wird natuerlich mit den Fingern! Nicht alles ist so ganz mein Geschmack, aber im Grossen und Ganzen kann ich es mir kaum besser vorstellen. Gesundheitlich geht es mir auch prima, ich habe keine Probleme. Die letzten Tage war es eher bewoelkt, aber heute knallt die Sonne richtig stark vom Himmel, da muss man schon aufpassen. Wir trinken viel Wasser aus Plastikbeuteln waehrend der Arbeit, und bleiben nicht zu lange in der Sonne, dann geht es auch. Nur Muskelkater habe ich von der Arbeit an der Schule, hihi... Fuer das Wochenende ist ein Ausflug in den Kakum-Nationalpark geplant, das war er allerdings schon letzte Woche, und daraus wurde dann auch nichts. Die Plaene werden immer in letzter Sekunde umgeworfen, daran muss man sich gewoehnen. Die Zeit laeuft anders...weil es um sechs Uhr abends dunkel wird und die afrikanische Nacht wirklich stockfinster ist, gehe ich auch immer frueh zu Bett. Gestern war es das erste Mal spaet, naemlich schon halb zehn! Unsere Familie steht um5 Uhr etwa wieder auf, und da werde ich meistens auch wach, um sieben machen wir uns dann auf den Weg zum Fruehstueck und arbeiten dann bis mittags. Der Rest des Tages ist dann meistens zur freien Verfuegung, und wir gehen um halb fuenf wieder zum Abendessen :-) Morgen wird das anders, der Youth Club wird uns wohl laenger in Angriff nehmen, ich bin schon gespannt. Viele Kinder kennen mich schon, rufen "Madam Eva" hinter mir her, wenn ich durch die Strasse gehe, schuetteln mir die Hand und winken, und immer muss ich auf die gleichen Fragen antworten. "How are you? Where are you going?" Die Kinder sind wirklich sehr suess. So, nun versuche ich mal wieder, diesen Beitrag abzuschicken. Da ich ja jetzt weiss, wo das Internetcafe ist, hoert ihr sicher regelmaessig von mir. Alles Liebe! Eva-Lisa P.S.: Stelle gerade fest, dass man in Kissi scheinbar keine Absaetze kennt. Sorry, hoffe, ihr koennt den Text trotzdem lesen!

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Ankunft - Wow!

Hallo zum ersten Mal aus Ghana :-)

 

Ja, ich bin gut angekommen, die Fluege waren super, alles gar kein Problem. KLM war die richtige Wahl, ich hatte sogar meinen eigenen Bildschirm, habe die 6h Flug wunderbar mit Avatar und dem Simpsons verbracht und mich gut mit meinen Nachbarn unterhalten. Mir knurrte zwar in Amsterdam ordentlich der Magen, aber das warten hat sich gelohnt, im Flieger gabs naemlich mehr als genug zu essen und zu trinken. 

In Accra wurde es dann spannend, komme ich mit meinem Visum durch die Kontrollen? Ist mein Koffer in Amsterdam wirklich mitgeflogen? Werde ich Djarbah erkennen, und er mich - und wird Djarbah ueberhaupt da sein? Nunja, die Kontrollen waren gar kein Problem, der Koffer brauchte etwas, kam aber an, nur von Djarbah war keine Spur. Ein halbes Dutzend Taxifahrer bot mir stattdessen eine Fahrt an, aber ich wusste ja nicht mal wohin, also wartete ich, bis Djarbah und ich uns dann doch noch trafen. In seinem klapprigen Opel fuhren wir durch die Nacht, denn es war zwar erst 20Uhr, aber schon dunkel. Die Sonne geht hier im Moment etwa m 18 Uhr schon unter :-) Es ist wirklich ziemlich schwuel und warm, aber lange nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Auf Nachfragen meinerseits bestaetigte Djarbah dann, dass wir auf dem Weg zu einem Hotel waren (mussten zwischendurch anhalten, weil der Kofferraum auseinanderfiel und die Motorhaube aufsprang ;-) ) und ich brach mit meiner ersten Regel, keine Erwartungen zu haben, und stellte mir ein gemuetliches, kleines Zimmer mit Bad und Bettwaesche vor, eine frische Dusche... Das Hotel war nach einer halben Stunde Fahrt durch verwinkelte Strassen in der 2-Millionen-Stadt Accra erreicht, es lag in einem kleinen Hinterhof, den man in Deutschland wohl als schaebig bezeichnen wuerde. Djarbah brachte mich durch schmale Flure zu einer kleinen Kammer, in der zwei Betten und ein kleiner Tisch standen - das war mein Zimmer. Das Bad draussen auf dem Flur sehr eng und dreckig, und es gab auch nur eine Toilette - kein Waschbecken. Da war ich dann doch sehr froh ueber meine gute Ausruestung, ich packte meinen Schlafsack aus, um nicht auf der fleckigen Matratze zu schlafen und wusch mir die Haende ohne Wasser. Djarbah brachte mir noch etwas zu trinken, meinen Zimmerschluessel und ermahnte mich, immer gut abzuschliessen. Mein Zimmer lag direkt an einer Hauptstrasse, und die Fenster waren kaputt, aber der Laerm der Strasse und das Knattern des Deckenventilators verwandelten sich in ein angenehmes Rauschen. Hier ist es naemlich ueblich, vor Kreuzungen, an Ampeln, beim abbiegen, beim ueberholen und ueberholt werden und ich glaube, immer einfach dann, wenn man gerade Lust hat, fleissig zu hupen. Auch jetzt ist hinter mir an der Strasse kaum eine halbe Minute ohne wildes Hupen zu hoeren, sehr lustig.

Nachdem ich gestern dann etwas ernuechtert war und mir fremd vorkam, band ich alle meine Wertsachen an meinem Koerper fest, las noch ein wenig undtraute mich dann doch, das Licht zu loeschen. Djarbah wollte am naechsten Morgen vorbeikommen, um mir zu zeigen, wo ich fruehstuecken undGeld wechseln konnte.

Heute wachte ich dann wider Erwarten munter und ausgeruht auf, so gegen halb sechs. Es daemmerte und ich stellte mich ans Fenster und betrachtete die Gegend zum ersten Mal bei Tageslicht. Viele Leute waren schon unterwegs, die Strasse fuellte sich immer mehr mit Tro Tros, Mofas und PKWs, Fussgaenger gingen einzeln oder in Gruppen gemaechlich ueber die Strasse, ohne sich gross um den Verkehr zu sorgen. Es war irgendwie ein froehliches und trotz des bunten Treibens friedliches Bild. Gegen acht klopfte es an meiner Tuer, ein Maedchen stand davor und richtete mir von Djarbah aus, er kaeme doch nicht. Sie fragte mich, was ich fruehstuecken wollte und ich entschied mich fuer Pancakes and Tea im kleinen "Restaurant" des Hotels, einer Terasse im Hinterhof. Ein schlichtes, aber sehr leckeres Fruehstuck. Danach fragte ich mich durch zu einer Wechselstube. Hinter einem grossen Metallgitter sass eine junge Frau mit einem etwa einjaehrigen Baby auf dem Arm, die, waehrend sie das Kind stillte, mit der anderen Hand die Scheine abzaehlte. Zurueck im Hotel erkundigte ich mich nochmal nach Djarbah, aber der hatte sich noch nicht wieder gemeldet, also packte ich vorsorglich schon mal meine Sachen und machte mich auf den Weg zum Internetcafe.

Hier ist es voll und stickig, aber das ist es draussen eigentlich auch. Viele Laeden reihen sich an der Strasse aneinander, bei der Haelfte davon weiss ich allerdings nicht einmal, wozu sie da sind. Ueberall erklingt afrikanische Musik, oft Reggae. Frauen tragen grosse Tabletts mit Ananas, Bananen und Melonen auf dem Kopf, die sich frisch schneiden und so verkaufen. Ein paar Huehner in den Seitenstrassen. Es ist aufregend und macht Spass. Ich rechne damit, das Djarbah mittags im Hotel vorbeischauen wird, ob wir dann nach Kissi fahren, hat er mir noch nicht verraten.

Viele Afrikaner begruessen mich mit Handschlag und fragen nach meinem Namen, und ich kann sie kaum auseinanderhalten :-) das muss ich wohl noch ueben. Ich freue mich schon auf die Kinder im Dorf, und bislang gefaellt es mir prima. Verstaendigungsprobleme habe ich wenige, ich verstehe zwar nur Bruchstuecke dessen, was die Ghanaer untereinander bereden, aber sie scheinen sich mit mir Europaeerin Muehe zu geben. Die meisten zumindest...

 

Ich melde mich bald wieder und hoffe, die instabile Internetverbindung reicht, um den Text abzuschicken!

P.S. Dank Roamingvertrages mit E-Plus funktioniert mein Handy noch. Ich kenne aber die Preise nicht, und habe bislang auch keine Rueckmeldung, ob meine versandten SMS auch angekommen sind. Ob ich mir trotzdem eine eigene SIM-Karte kaufe, weiss ich noch nicht.

 

P.P.S. Danke fuer den Witz, Niki und Papa. Hat mir gut gefallen, aber ich konnte ihn dem Mann neben mir leider nicht gut uebersetzen ;-)

5 Kommentare 30.7.10 12:49, kommentieren

Akwaba!

Das bedeutet auf ghanaisch: Willkommen!

 

Ich freue mich sehr auf meine Reise!

 

Ein paar Infos über die ghanaische Kultur möchte ich euch noch mitgeben, und wir werden sehen, ob sie sich bewahrheiten 

 

In Ghana werden die Vornamen nach dem Wochentag der Geburt verteilt. Jeder kennt Kofi Annan - und Kofi ist der Geburtsname für einen am Freitag geborenen männlichen Säugling. Ich habe gleich gegoogelt und stelle fest, dass ich Samstags geboren bin. Damit würde ich in Ghana wohl Ama, Aba, Awo oder Ami heißen!

 

Bin schon gespannt auf meinen neuen ghanaischen Namen!

1 Kommentar 25.7.10 23:14, kommentieren

In den Startlöchern

Hallo,

 

noch 5 Mal schlafen, dann beginnt meine Reise! Ich habe fast alles erledigt, und da gibt es ja doch vieles zu bedenken. Verschiedene Impfungen, die Beantragung eines Reisepasses und des Visums für die Einreise in Ghana, und vieles mehr.

 

Blöderweise geht es mir heute gar nicht gut, ich konnte die letzte Nacht so gut wie gar nicht schlafen wegen extremer Magenkrämpfe, dann kamen noch Übelkeit, Fieber, Schwindel und Kopfschmerzen dazu. Was genau das ist, weiß ich nicht, aber ich hoffe, dass ich mir nur irgendwo den Magen verdorben habe und nicht, dass ich auf die letzte Woche eingenommene Malariatablette so reagiere. Die muss ich nämlich jede Woche einmal einnehmen.

 

In Vorfreude auf die Abreise, 

 

Eva-Lisa

 

 

24.7.10 16:17, kommentieren