TroTros!


Lasst mich noch ein bisschen was über den Verkehr in Ghana schreiben...

 

Generell ist die goldene Regel: Ein Auto ohne Hupe ist kein Auto. Mittlerweile habe ich auch verstanden, wann man hupt: Man hupt, um zu warnen, man hupt, um abzubiegen, man hupt, um jemanden vorzulassen, um jemandem, der einen vorgelassen hat, zu danken, man hupt auch, um Hallo zu sagen, und ich glaube - man hupt auch, wenn einem die Farbe des Vorderwagens nicht gefällt.

 

Ich saß schon in einem Auto, dessen Bremsen nicht funktionierten. Als wir auf eine Maut-Station zufuhren, fuhren wir einfach weiter, dem Jeep des Vordermanns hintendrauf. Er stieg aus, um uns herum sammelten sich viele Schaulustige mit Broten auf dem Kopf. Der Geschädigte war sauer, er schimpfte, besah sich den Schaden - stieg wieder ein und fuhr davon - so wie wir.

 

Einst sah ich ein TroTro, das die ganze Zeit hupte. Ich wunderte mich - aber nur ein bisschen. Bei jeder Radumdrehung hupte dieses Fahrzeug...und ich fing an, mich über den Fahrer zu ärgern, als dieser ausstieg, um einen Koffer im Kofferraum zu befestigen - und das TroTro weiterhupte.  Scheinbar ein Hup-Defekt.

 

Im TroTro Richtung Beyin wurde es richtig spannend. Eigentlich noch keine Regenzeit, waren die Straßen trotzdem mörderisch. Meine Mitfahrerin verglich es einst mit einer Achterbahnfahrt ohne Sicherheitsbügel und ungefähr genau so wurde man durchgeschüttelt. Rechts neben mir saß ein junger Mann, der mich fragte, woher ich sei. "Germany". Er fragte weiter - liegt Germany am Meer? Kommt man dahin per Auto? - bis mir klar wurde, dass er *Germany* für einen ghanaischen Ort hielt. Er wusste nicht einmal, wo Europa lag. Direkt vor mir, getrennt durch eine durchlöcherte Lehne, saß ein etwa 4jähriger Junge, auf einem Auge blind. Mit dem gesunden Auge blickte er mich unverwandt an, ehe er einschlief. Neben ihm hatte die junge Frau sich auf den Sitz des Vordermannes gelehnt und schlief auch, obwohl der Mann neben ihr wiederum versuchte, einen Musiksender per Radio zu empfangen. Geduldig hielt er den Transistor seit gut einer Stunde an sein Ohr, obwohl nur Rauschen daraus drang.

Es war ein gutes TroTro. Es war zu alt, als dass der Fahrer hätte rasen können - das konnte es nicht mehr - aber noch nicht zu alt, um mitten auf der Strecke auseinander zu brechen. Very good.

1 Kommentar 8.9.10 01:20, kommentieren

Rueckkehr

Hallo zusammen, heute kann ich mich wieder einloggen :-) Wir sind wieder in Kissi, und das Internet funktioniert auch wieder. Heute mittag kamen wir nach einer kurzen Nacht in Accra wieder an und ich musste erst mal dringend duschen und ausserdem Waesche waschen - dann war auch schon wieder Zeit fuer den Youth Club. Man glaubt gar nicht, wie sehr man eine Eimerdusche vermissen kann... In den "Hotels" gab es naemlich immer nur Gemeinschaftsduschen, die allesamt sehr dreckig waren, und in zwei Hotels gab es ausserdem kein Wasser. Das ist auch fuer oeffentliche Toiletten nicht sehr angenehm... Die Dusche bei den Koumsoons jedenfalls ist zwar klein, und weil meistens Stromausfall herrscht, auch sehr dunkel, aber trotzdem gut. Wenn man duschen moechte, holt man zuerst einen Eimer Wasser aus der Regentonne, schaut dann nach, ob die Duschkroete in den Ecken sitzt (es sei denn, es herrscht Stromausfall, dann sieht man sie eh nicht) und giesst sich dann mit einem kleinen Eimer das Wasser ueber. Anfangs ist es immer kalt, aber man gewoehnt sich daran und es ist herrlich erfrischend. Mama Koumsoon hat mir ein schoenes grosses Tuch mit Blumen, Voegeln und anderen Ornamenten darauf gegeben, darin wickele ich nach dem Duschen ein und fuehle mich wie ein neuer Mensch :-) Im Youth Club haben wir heute zum ersten Mal den Kindern unsere eigenen Spiele beigebracht und nicht nur von ihnen gelernt ;-) Und auch hier kann man Obstsalat spielen, aber das Spiel bekommt einen voellig neuen Drive, alleine dadurch, dass es keine Stuehle gibt und einfach nur noch alle wild durcheinander rennen und laut die Obstsorten kreischen. Kassawa! Kassawa! Coconut! Maria, die aus Russland kommt, kannte ein schoenes Kreisspiel, bei dem Begriffe zu einem bestimmten Thema genannt werden mussten, das war fuer die Kinder eine ganz schoene Herausforderung, manchmal aber auch fuer uns. Am Freitag machen wir einen Ausflug nach British Komenda (daneben gibt es auch ein Dutch Komenda), vielleicht finde ich da die Zeit, die Hoehlen am Strand zu besichtigen. Ansonsten habe ich noch eine lange Liste mit Ausflugszielen, die ich unbeding besuchen moechte, wenn die Zeit neben Arbeit und Youth Club dafuer reicht. In Accra und Cape Coast habe ich ein paar Souvenirs gekauft, aber ich habe noch genug Geld uebrig. Jetzt werde ich lieber gehen, irgendwas stinkt hier ganz furchtbar. Entweder ist im Computergehaeuse eine Buschratte verendet, oder ich bin auf dem Weg hierher in etwas getreten. Muss ich mal checken ;-)

2 Kommentare 17.8.10 19:28, kommentieren

Kopie aus dem Gaestebuch

Hier schreibe ich mal selber als Gast, denn ich kann mich gerade nicht einloggen! Daher nur kurz: Im Internetcafe in Kissi ist das Internet kaputt :-) Gerade bin ich in Accra, wir sind am Freitag zu einer groesseren Reise aufgebrochen. 5 Stunden mit 16 Personen, 3 Stuehlen und einer Matratze in einem TroTro zu sitzen, ist eine interessante Erfahrung... In Accra haben wir uns das Arts Centre angesehen, sind ueber ein paar Maerkte geschlendert, bzw. haben uns vielmehr von den Menschenmassen durchschieben lassen. Danach war im Viertel Jamestown das Twin Festival, also ein Fest fuer Zwillinge. Da wurde es erst richtig voll, die Menschen liefen in Gruppen durch die Strassen, immer angefuehrt von einer Person, die eine Schuessel mit Opfergaben auf dem Kopf trug und nach einiger Zeit in Trance fiel, es war also viel Gerenne, Geschrei und Action. Abends haben wir uns eine Reggaeband in der Strasse angesehen, getanzt und getrunken. Am naechsten Tag die naechste grosse Reise, ueber die groesste Haengebruecke Ghanas und hinter Hohoe liegt Wli, wo man den groessten Wasserfall Westafrikas bewundern kann. Es waren fast alle Raeume ausgebucht, also haben wir uns zu sechst ein Zimmer geteilt. Von gestern auf heute waren wir dann im Monkey Sanctuary, wo eine grosse Population geschuetzter Affen leben. Mit Bananen konnte man sie aus dem Dschungel locken und sie frassen sogar aus der Hand - wenn man die Banane gut festhielt. So viel fuer heute!

6 Kommentare 17.8.10 19:11, kommentieren

Life

Ich weiss nicht, warum mablog immer bis 5 Minuten bis Ende der Internetsitzung braucht, um sich aufzubauen... Was gibt es zu berichten? Das Wochenende war ruhig, ein bisschen Arbeit, ein Starndausflug am Sonntag. Es regnet ab und zu, leichte Schauer, die weder kuehlen noch wirklich naessen. Am Samstag habe ich einen Kassensturz gemacht und festgestellt,dass ich mit meinem Geld mehr als gut auskomme, trotz Luxus wie Taxifahrten, Restaurants, Sim-Card etc. Also kann ich noch ein paar Souvenirs shoppen gehen :-) Letzten Mittwoch kam Mama Koumsoon zu mir, als ich in der Abenddaemmerug auf dem Wasserreservoir lag, in die Sterne blickte und den warmen Stein unter mir genoss. Sie erzaehlte ganz beilaeufig, dass heute ihr Geburtstag sei, sie wuerde 55. Ich sang mit ihr und fuer sie ein paar Geburtstagslieder, was sie sehr freute. Sie feiere nicht, erklaerte sie mir, weil es ihrem Mann nicht gut ginge, der ist immerhin schon 61 und liegt damit ueber der Lebenserwartung ghanaischer Maenner. "We don' like being lonely," sagte sie. "We like dem volunteers in the house", und sie erzaehlte mir mit Wehmut davon, dass Justice, einer ihrer juengere Soehne gerade die Zulassung zu einer guten Schule ausserhalb bekommen hatte und auszoege. Muss los!

12 Kommentare 9.8.10 15:01, kommentieren

Ausfluege

Hallo,

 

das wichtigste vorweg: Ich bin jetzt per Handy erreichbar! Meine neue Handynummer ist 0204521402. Davor natuerlich noch ghanaische Vorwahl, die hab ich nicht im Kopf, aber ich bin sicher, jemand findet sie fuer mich heraus und setzt sie in einen Kommentar. ;-)

Davon abgesehen koennt ihr mir ueber Kontakt auch eine Email schreiben, sofern ihr meine Adresse nicht eh schon kennt. Ich freue mich immer sehr ueber Kommentare, Gaestebucheintrage und mehr, auch wenn ich nicht auf alles antworte.

 

Die letzten zwei Tage waren sehr schoen,  gestern sind wir nach getaner Arbeit an der Schule mit einem Taxi zu einem Strand in der Naehe gefahren. Bei Elmina, unter Kokosnusspalmen, ein schoener Sandstrand. Es wehte ein angenehmer Wind, das Wasser war warm, und die Baeume spendeten Schatten. Leider kann man hier nicht gut schwimmen, denn die Stroemung ist sehr stark. Alle fragen mich nach Haien, aber darueber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht :-) Hab auch keinen getroffen. Waehrend wir dann am Strand noch etwas doesten oder lasen, setzte sich einige Meter weiter ein junger Ghanaer unter eine Palme und sang leise Gospellieder, die meisten auf Fanti. Zwei Kinder lagen neben ihm, den Kopf im Sand und schliefen, und seine Stimme fing mich ein und mit dem Blick auf das endlose Meer und den schoenen und traurigen Melodien war es fast wie in einem Traum. Ich bin dann zu ihm gegangen und habe mit ihm gesprochen, er hiess Paul und erklaerte mir die Bedeutung der Lieder. Wir sprachen ueber Gott und Glauben und sangen noch ein bisschen gemeinsam, und das ist so schoen an Ghana.

Heute sind wir frueh aufgebrochen zum Kakum Nationalpark, der etwa 30km noerdlich von Cape Coast liegt. Dort lebe auch Waldelefanten und Affen, Ameisenbaeren und andere spannende Tiere - aber leider war es sehr voll und ich habe nichts gesehen, was groesser war als eine Eidechse. Ab und zu konnte man im Urwald aber die Affen schreien hoeren. Ueber en Canopy Walk, Haengebruecken durch die Baumkronen, sind wir gegangen und hatten einen tollen Blick. Ihr duerft euch auf hunderte von Fotos von Baeumen freuen ;-)

Auf dem Rueckweg entschied ich mich dann, nicht direkt nach Kissi zu fahren, sondern mich von den anderen zu trennen und Cape Coast zu erkunden. Dort gibt es eine alte Sklavenburg, die sehr interessant ist, aber dafuer reichte meine Zeit leider nicht. Ich machte ein paar Besorgungen, liess mich durch das Gewuehl in den Strassen treiben und landete dann, ohne zu wissen, wo ich genau war, am Hafen, wo die Fischer gerade ihre Boote ausluden und begannen, die Netze zu flicken. Erstaunliche Fische waren dabei :-) Dann entdeckte ich ein kleines Lokal neben der Burg, mit Blick auf das Meer an einer Anhoehe gelegen, wo ein angenehmer Wind wehte. Besonders lockte mich das Versprechen von richtigem Essen, und ich bestellte mir...Burger und Pommes *gg* Na gut, es war ein Fischburger mit frischem Fisch, und die Pommes waren Cassawa, oder Bantje, also Suesskartoffeln, aber immerhin mal etwas anderes als Banku, Kenkey und Fufu. Dazu trank ich einen frischen Bananenmilchshake, der herrlich intensiv schmeckte und immer wieder kamen Ghanaer vorbei, um sich mit mir zu unterhalten.

Danach handelte ich mit einem Taxifahrer, der zufaellig der Bruder des Kellners war, einen guten Preis fuer die Rueckfahrt nach Kissi aus, auf der ich fast gestorben waere, aber das ist eine andere Geschichte ;-) In Kissi angekommen direkt zum Youth Club, und jetzt ist es sechs Uhr abends, und ich hab immer noch die Sachen an, in denen ich heute frueh um fuenf das Haus verlassen habe. Nach dem Abendessen wandere ich nur noch ins Bett und traeume von den Lieder, die wir mit den Kindern singen.

Tu le le campo, timiti maoma... 

2 Kommentare 6.8.10 20:03, kommentieren

Der kuerzeste Beitrag der Welt

endet hier leider schon, weil myblog sich erst nach 55 Minuten aufbaute und ich jetzt los muss!

 

Mir gehts gut, gestern abend war ich in einer richtig schoenen Bananenbar, obwohl es da keine Bananen gab, ich hab sie nur so getauft, weil man im Garten so schoen ruhig unter Bananenblaettern sitzen kann. Ghanaischen Schnaps probiert, getanzt und viel geredet, ausser mir waren nur Obbibinis da, also Schwarze und ich hab wieder viel von der ghanaischen Mentalitaet erfahren und einige auch traurige Geschichten gehoert. Das macht einen ganz schoen nachdenklich.

Heute nacht kommen drei neue Volunteers an und morgen wollen wir nach der Arbeit auf eigene Faust nach Cape Coast fahren, der Sohn unserer Gastfamilie ist Taxifahrer, das trifft sich gut :-) 

4.8.10 18:50, kommentieren

Ein paar kurze Bemerkungen...

Nach getaner Arbeit fuer heute lockt der Internetcontainer (ein Cafe ist es naemlich wirklich nicht) und ich schreibe euch ein paar Zeilen :-)

 

Der Youth Club startet erst nachmittags, also werde ich mir gleich etwas zu essen und zu trinken kaufen, nach Hause gehen und Waesche waschen und dann in zwei Stunden wieder aufbrechen. Djarbah hat drei Djemben mitgebracht und wir werden heute wohl neue Lieder lernen. Mit ein paar Jungs habe ich schon getrommelt, aber es ist schwierig, wenn ein Dutzend Haende auf dem Fell liegen ;-)

 

Mittlerweile ist es richtig heiss geworden, nachdem es die ersten Tage nur bewoelkt war. Der 10minuetige Fussweg zur Schule ist schon anstrengend, da es nirgendwo Schatten gibt. Weil es abends kaum abkuehlt, sind die Naechte entsprechend kurz, ausserdem ist Ruth, das zweitjuengste Kind unserer Gastfamilie krank und schreit die halbe Nacht durch. Dazu kraehen immer wieder die Haehne, die Schafe und Ziegen bloeken, und auch nachts hupen die Taxifahrer, wenn sie durch die Wege fahren. Auf ruhige Naechte zu Hause freue ich mich schon wieder.

Ansonsten passiert nicht viel Aufregendes. Ein Junge ist vorhin in eine Scherbe getreten und kam zu uns, um verartztet zu werden. Ein Volunteer geht auf eine Militaerakademie und kannte sich mit dem Versorgen der Schnittwunde gut aus, wir anderen konnten Desinfektionsmittel und Verbandszeug beisteuern, ein schoenes Gefuehl, dem Kleinen helfen zu koennen. Eine halbe Stunde spaeter hatte er seine Schuhe aber schon wieder ausgezogen.

 

@Janni: Sorry, der Topf leckt. Kannst ihn in die Spuele stellen oder so. Hast du meine Buecher zur Bib gebracht? 

2 Kommentare 3.8.10 14:19, kommentieren